Zentrum “Spasiom pokolenie“ – Zentrum zur Betreuung jugendlicher Minenopfer

“Spasiom pokolenie“ wurde im Jahr 2002 gegründet und betreut tschetschenische Jugendliche und Kinder, die Opfer von Minen wurden. In Tschetschenien gibt es ca. 10.000 Minenopfer,
davon sind ungefähr 4.000 Kinder. Mit Hilfe von Spendengeldern u.a. vom Interkulturellen
Forum gelang es uns, in dem Haus in Grozny, in dem sich das Zentrum “Frauenwürde“ befindet, auch dieser Organisation Räume bereitzustellen, die wir renovieren ließen.

In den Erdgeschossräumen arbeitet die junge Organisation mit mehreren Gruppen von Jugendlichen und Kindern, die aufgrund von Minenunfällen mit Behinderungen leben müssen. Sie werden dort psychologisch betreut, bekommen Rehamöglichkeiten und Unterricht in verschiedenen Bereichen. Einer der Räume dient als Musikzimmer, ein weiterer als Sportraum, im dem u.a. eine Tischtennisplatte aufgestellt ist.

Außer diesem Zentrum gibt es in ganz Tschetschenien kaum eine Möglichkeit, in dem sich diese Jugendlichen aufhalten können, Zuwendung erfahren und ihre Freizeit verbringen können. Mehrere hundert Kinder und Jugendliche besuchen regelmäßig dieses Zentrum. Außerdem dient das Haus auch als Anlaufstelle für die Kinder und deren Eltern, die durch Minen geschädigt wurden. Zarema Sadulajewa, die Leiterin des Zentrums erzählte vor kurzem, dass sich allein im Monat April elf neue Kinder mit Minenunfällen aus dem Stadtteil und der Umgebung bei ihnen gemeldet haben.

Nach wie vor ist die Situation mit den Minen dramatisch. Man geht von 500.000 Landminen aus, die im Land verstreut liegen. Jedes Jahr passieren tausende von neuen Unfällen. Ein Teil der Arbeit von „Spasiom pokolenie“ ist daher auch eine umfassende Aufklärungskampagne. Mittlerweile wird die Organisation auch von Handicap international e.V. unterstützt, die den Opfern v.a. im medizinischen Bereich (Prothesen etc.) Hilfe zukommen lässt. Mit Hilfe von Ausbildungsmaßnahmen sollen den Kindern neue Zukunftsperspektiven eröffnet werden.

Durch eine großzügige Unterstützung der Hilfsorganisation Sternstunden e.V. gelang es im November 2002, einen Minibus für die Organisation und die Kinder zu kaufen. Dies bedeutet eine große Erleichterung für sie. Seit dieser Zeit fährt der Bus täglich bis zu 200 km. Jeden Tag werden zwei Gruppen von Kindern und Jugendlichen von zu Hause abgeholt und ins Zentrum gebracht und zurück. Der Bus ermöglicht es den Kindern außerdem, Ausflüge und Gruppenfahrten zu unternehmen.

Im Zentrum "Spasiom pokolenie“

Im Zentrum “Spasiom pokolenie“

In Kürze wird ein Computerprojekt zum Einsatz kommen. Mit Hilfe einer Spendenaktion des Vereins Südwelt e.V. aus Bozen gelang es, sechs Computer und Computerschulung für die Jugendlichen im Zentrum zu finanzieren. Handicap international e.V. hilft bei der Durchführung dieses Projekts. Das neue Angebot wurde von den Kindern und Jugendlichen des Zentrums mit großer Begeisterung aufgenommen.

Regelmäßig wurden Spendengelder vom Interkulturellen Forum an diese Organisation abgegeben, um die tägliche Arbeit zu finanzieren. So z.B. wurden einzelne Operationen gezahlt, Feste damit organisiert und einzelnen Kindern mit Minenunfällen in extrem schwierigen finanziellen Situationen geholfen (z.B. Islam Sarmaev, einem 17-jährigen Jungen aus Grozny, der bei einem Minenunfall im Jahr 2002 einen Fuß, einen Arm und ein Auge verlor. Islam hat keine Eltern mehr und lebt bei seiner alten Großmutter, die uns mitteilte, dass es in ihrem Haus durchs Dach regnete und sie oft keine Kopeke hat.

Mit Spendengeldern vom Interkulturellen Forum konnten 5 Kühe gekauft werden. So erhielten die Kinder von “Spasiom pokolenie“ jeden Tag ein Glas Milch, für die Kleinkinder konnten Brei gekocht werden. Kaum jemand in Grozny hatte die finanziellen Mittel, sich Milch zu kaufen. Im Geschäft kostet Milch etwa genau soviel wie in Deutschland.

Mit der Anschaffung der Kühe (die mittlerweile bereits fünf Kälbchen geboren haben) sollte die Ernährungslage der Kinder verbessert werden. Außerdem war der psychologische Effekt dabei nicht zu unterschätzen: Neues Leben trat ein in die Stadt. Jedes neue Kälbchen wurde begrüßt und bekam einen eigenen Namen.